Münchner Erklärung

Einleitung

Darmkrebs ist diejenige Tumorerkrankung, die durch Früherkennung am leichtesten zu verhindern ist. Gleichzeitig belegt sie aber Platz zwei bei der Todesrate der Tumorerkrankungen. Angesichts dieser Faktenlage ist es volkswirtschaftlich in hohem Maße unvernünftig, dass nicht mehr dafür getan wird, damit die vorhandenen Früherkennungsmaßnahmen - von denen die Koloskopie die effektivste ist - von der Bevölkerung besser wahrgenommen und genutzt werden.
Der Workshop "Darmkrebs durch Früherkennung besiegen" setzt sich dafür ein, dass sich dieser unhaltbare Zustand möglichst schnell verändert. Angestrebtes Ziel ist es, die Zahl der jährlichen Darmkrebstoten im Verlauf von fünf Jahren auf die Hälfte zu reduzieren. Damit dies möglich ist, müssen gesetzliche Voraussetzungen für die Kostenübernahme der notwendigen Maßnahmen geschaffen und die Öffentlichkeit durch geeignete Aufklärungs- und PR-Kampagnen wachgerüttelt werden. Hierzu ist es notwendig, dass Politik, Kassen und Ärzte ihre jeweiligen Eigeninteressen zurückstellen und statt dessen eng zusammenarbeiten.

Die "Münchner Erklärung zur Früherkennung von Darmkrebs" definiert den Handlungsbedarf und -rahmen für die jetzt notwendigen Maßnahmen. Sie wurde formuliert und unterzeichnet von den Präsidenten und Vorständen der wichtigsten ärztlichen Standesvertretungen sowie von den privaten Stiftungen, die sich für das Thema Früherkennung von Darmkrebs einsetzen.

Präambel der Münchner Erklärung
Welche Früherkennungsmaßnahmen für wen?
Forderungen
Schlussfolgerungen
Unterzeichner



Die Münchner Erklärung zur Frühkerkennung von Dickdarmkrebs in Deutschland

Präambel der Münchner Erklärung

Im Jahr 2000 verstarben 30.000 Mitbürger an Darmkrebs. Das sind 30.000 zu viel!
Denn: Darmkrebs lässt sich durch Früherkennung verhindern oder heilen.

Die vor 30 Jahren erlassenen gesetzlichen Rahmenbedingungen für Früherkennung wurden im Gesundheitsreformgesetz des Jahres 2000 ohne Änderung fortgeschrieben, obwohl durch sie keine Reduktion der Neuerkrankungen erreicht werden konnte. Die Rate der Darmkrebsneuerkrankungen in Deutschland liegt weiterhin bei über 50.000 jährlich, die Sterblichkeit bei über 50 Prozent.

Dabei könnte die Sterblichkeitsrate bereits heute deutlich gesenkt werden. Die zur Früherkennung geeigneten Maßnahmen sind verfügbar und preiswert.
Die Früherkennung von Darmkrebs verhindert Leiden und bewahrt Leben. Sie senkt die Kosten des Gesundheitswesens und erhält die Produktivität arbeitsfähiger Mitbürger für die Volkswirtschaft.

Es ist deshalb dringend notwendig, die Akzeptanz und Inanspruchnahme der Früherkennungsmaßnahmen in der Bevölkerung zu erhöhen.

Dies kann nur durch eine konzertierte Aktion aller beteiligten Interessensgruppen erreicht werden.

nach oben



Welche Früherkennungsmaßnahmen für wen?

Am Anfang steht das sorgfältige ärztliche Gespräch, das die persönliche und familiäre Krankheitsvorgeschichte erfragt und so das Risiko abklärt.

Das ärztliche Gespräch wird ergänzt durch die Durchführung des Stuhltests (fäkaler Okkultbluttest) einmal im Jahr ab dem 45. Lebensjahr.

Bei positivem Stuhltest ist die anschließende Dickdarmspiegelung, d.h. die komplette Koloskopie, notwendig. Die Koloskopie ist das einzige Verfahren, mit dem Vorstufen und frühe Formen des Darmkrebserkrankungens erkannt und gleichzeitig entfernt werden können.

Durch den jährlichen Test auf okkultes Blut wird das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, deutlich gemindert. Die Darmkrebssterblichkeit lässt sich durch diese Maßnahme sehr schnell um 25 bis 30 Prozent senken.

Eine Senkung der Darmkrebssterblichkeit um 80 bis 90 Prozent könnte durch die Einführung der Screening-Koloskopie alle 10 Jahre ab dem 50. Lebensjahr erreicht werden.

Menschen mit überdurchschnittlichem Risiko (mit familiär vererbtem oder familiär gehäuftem Darmkrebs oder chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen) müssen auf das erhöhte Risiko hingewiesen werden und sollten in Absprache mit ihrem behandelnden Arzt eine ihrer besonderen Situation angemessene Darmkrebsvorsorge planen und durchführen lassen.

nach oben



Forderungen

Wir fordern, dass die Zahl von 30.000 Patienten, die jährlich in Deutschland an Darmkrebs sterben, in den nächsten fünf Jahren durch Früherkennung und Entfernen der Vorstufen und Frühformen von Darmkrebs auf die Hälfte gesenkt wird.

Wir fordern, dass die Teilnahmerate an der Darmkrebsfrüherkennung in den gefährdeten Bevölkerungsgruppen im Verlauf der nächsten drei Jahre auf mindestens 60 Prozent gesteigert wird. Dies ist nur durch eine gemeinsame Anstrengung von Patienten, Ärzten, Gesundheitspolitikern und Krankenkassen erreichbar.

Wir fordern alle Beteiligten, die Gesundheitspolitiker, Krankenkassen und ärztlichen Berufsverbände, auf, in einer gemeinsamen Anstrengung die Bevölkerung für Darmkrebsfrüherkennung zu sensibilisieren und die gefährdeten Gruppen zur Teilnahme an Früherkennungsmaßnahmen zu motivieren. Hierzu ist es notwendig, dass innovative Aufklärungskampagnen entwickelt werden, die alle Medien erreichen (Print-Medien, online Medien, TV, Plakate, Broschüren, Faltblätter, etc.). Hierbei sollte von Anfang an auf Public-Private-Partnership gesetzt werden.

Wir fordern die Gesundheitspolitiker auf, die erlassenen gesetzlichen Rahmenbedingungen (SGB V) hinsichtlich der Früherkennung von Darmkrebs zu novellieren und ihre Umsetzung zu kontrollieren.

Wir fordern die Krankenkassen auf, die Vergütung der Darmkrebsfrüherkennung außerhalb der Pauschalierung der Früherkennung als gesonderte Leistung anzubieten.

Wir fordern die Ärzte auf, ihre Patienten entsprechend dem aktuellen Kenntnisstand über Darmkrebsfrüherkennung aufzuklären und sie für die Inanspruchnahme von Früherkennungsmaßnahmen zu motivieren.

nach oben



Schlussfolgerungen

Darmkrebs ist, wie kaum ein anderer Tumor, früh zu erkennen und damit heilbar. Die Wirksamkeit der Früherkennungsprogramme ist wissenschaftlich bewiesen. Früherkennungsmaßnahmen für Darmkrebs sind im Vergleich zu anderen bereits etablierten Screening-Methoden preisgünstig (kosteneffizient). Im Gegensatz zu anderen Krebserkrankungen, für die es noch keine effektiven Früherkennungsmethoden gibt, sind wir bei Darmkrebs heute in der Lage, unseren Mitbürgern wissenschaftlich begründete und volkswirtschaftlich tragbare Früherkennungsmethoden anzubieten, die die individuelle Gefährdung beseitigen. Nutzen wir sie!

München im März 2001

nach oben



Unterzeichner

Dr. Christa Maar
Präsidentin der FELIX BURDA STIFTUNG
München

Prof. Meinhard Classen
Präsident der Gesellschaft für Gastroenterologie in Bayern
München

Prof. Wolff Schmiegel
Deutsche Krebshilfe e.V.
Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (Vorstand)
Bochum

Prof. Dagmar Schipanski
Präsidentin der Deutschen Krebshilfe e.V.
München

Prof. Robert Fischer
Vorstandsmitglied und Vorsitzender des Medizinischen Beirates der Deutschen Krebshilfe e.V.
Bonn

Prof. Jürgen Riemann
Präsident der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin
Stiftung LebensBlicke - Früherkennung Darmkrebs
GastroLiga
Ludwigshafen

Prof. Rolf Kreienberg
Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft
Ulm

Prof. Wolfram Domschke
Präsident der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen
Münster

Prof. Klaus Dieter Kossow
Vorsitzender des Berufsverbandes der Deutschen Allgemeinärzte-Hausärzte
Köln

Dr. Berndt Birkner
Berufsverband Deutscher Internisten - Sektion Gastroenterologie
München

nach oben

FELIX BURDA STIFTUNG

MÜNCHNER ERKLÄRUNG

PRESSE

WEITERE INFORMATIONEN
ZU DARMKREBS