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Einleitung Darmkrebs ist diejenige Tumorerkrankung, die durch Früherkennung am leichtesten zu verhindern ist. Gleichzeitig belegt sie aber Platz zwei bei der Todesrate der Tumorerkrankungen. Angesichts dieser Faktenlage ist es volkswirtschaftlich in hohem Maße unvernünftig, dass nicht mehr dafür getan wird, damit die vorhandenen Früherkennungsmaßnahmen - von denen die Koloskopie die effektivste ist - von der Bevölkerung besser wahrgenommen und genutzt werden. Die "Münchner Erklärung zur Früherkennung von Darmkrebs" definiert den Handlungsbedarf und -rahmen für die jetzt notwendigen Maßnahmen. Sie wurde formuliert und unterzeichnet von den Präsidenten und Vorständen der wichtigsten ärztlichen Standesvertretungen sowie von den privaten Stiftungen, die sich für das Thema Früherkennung von Darmkrebs einsetzen.
Die Münchner Erklärung zur Frühkerkennung von Dickdarmkrebs in Deutschland Präambel der Münchner Erklärung Im Jahr 2000 verstarben 30.000 Mitbürger an Darmkrebs. Das sind 30.000 zu viel! Die vor 30 Jahren erlassenen gesetzlichen Rahmenbedingungen für Früherkennung wurden im Gesundheitsreformgesetz des Jahres 2000 ohne Änderung fortgeschrieben, obwohl durch sie keine Reduktion der Neuerkrankungen erreicht werden konnte. Die Rate der Darmkrebsneuerkrankungen in Deutschland liegt weiterhin bei über 50.000 jährlich, die Sterblichkeit bei über 50 Prozent. Dabei könnte die Sterblichkeitsrate bereits heute deutlich gesenkt werden. Die zur Früherkennung geeigneten Maßnahmen sind verfügbar und preiswert. Es ist deshalb dringend notwendig, die Akzeptanz und Inanspruchnahme der Früherkennungsmaßnahmen in der Bevölkerung zu erhöhen. Dies kann nur durch eine konzertierte Aktion aller beteiligten Interessensgruppen erreicht werden. Welche Früherkennungsmaßnahmen für wen? Am Anfang steht das sorgfältige ärztliche Gespräch, das die persönliche und familiäre Krankheitsvorgeschichte erfragt und so das Risiko abklärt. Das ärztliche Gespräch wird ergänzt durch die Durchführung des Stuhltests (fäkaler Okkultbluttest) einmal im Jahr ab dem 45. Lebensjahr. Bei positivem Stuhltest ist die anschließende Dickdarmspiegelung, d.h. die komplette Koloskopie, notwendig. Die Koloskopie ist das einzige Verfahren, mit dem Vorstufen und frühe Formen des Darmkrebserkrankungens erkannt und gleichzeitig entfernt werden können. Durch den jährlichen Test auf okkultes Blut wird das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, deutlich gemindert. Die Darmkrebssterblichkeit lässt sich durch diese Maßnahme sehr schnell um 25 bis 30 Prozent senken. Eine Senkung der Darmkrebssterblichkeit um 80 bis 90 Prozent könnte durch die Einführung der Screening-Koloskopie alle 10 Jahre ab dem 50. Lebensjahr erreicht werden. Menschen mit überdurchschnittlichem Risiko (mit familiär vererbtem oder familiär gehäuftem Darmkrebs oder chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen) müssen auf das erhöhte Risiko hingewiesen werden und sollten in Absprache mit ihrem behandelnden Arzt eine ihrer besonderen Situation angemessene Darmkrebsvorsorge planen und durchführen lassen. Wir fordern, dass die Zahl von 30.000 Patienten, die jährlich in Deutschland an Darmkrebs sterben, in den nächsten fünf Jahren durch Früherkennung und Entfernen der Vorstufen und Frühformen von Darmkrebs auf die Hälfte gesenkt wird. Wir fordern, dass die Teilnahmerate an der Darmkrebsfrüherkennung in den gefährdeten Bevölkerungsgruppen im Verlauf der nächsten drei Jahre auf mindestens 60 Prozent gesteigert wird. Dies ist nur durch eine gemeinsame Anstrengung von Patienten, Ärzten, Gesundheitspolitikern und Krankenkassen erreichbar. Wir fordern alle Beteiligten, die Gesundheitspolitiker, Krankenkassen und ärztlichen Berufsverbände, auf, in einer gemeinsamen Anstrengung die Bevölkerung für Darmkrebsfrüherkennung zu sensibilisieren und die gefährdeten Gruppen zur Teilnahme an Früherkennungsmaßnahmen zu motivieren. Hierzu ist es notwendig, dass innovative Aufklärungskampagnen entwickelt werden, die alle Medien erreichen (Print-Medien, online Medien, TV, Plakate, Broschüren, Faltblätter, etc.). Hierbei sollte von Anfang an auf Public-Private-Partnership gesetzt werden. Wir fordern die Gesundheitspolitiker auf, die erlassenen gesetzlichen Rahmenbedingungen (SGB V) hinsichtlich der Früherkennung von Darmkrebs zu novellieren und ihre Umsetzung zu kontrollieren. Wir fordern die Krankenkassen auf, die Vergütung der Darmkrebsfrüherkennung außerhalb der Pauschalierung der Früherkennung als gesonderte Leistung anzubieten. Wir fordern die Ärzte auf, ihre Patienten entsprechend dem aktuellen Kenntnisstand über Darmkrebsfrüherkennung aufzuklären und sie für die Inanspruchnahme von Früherkennungsmaßnahmen zu motivieren. Darmkrebs ist, wie kaum ein anderer Tumor, früh zu erkennen und damit heilbar. Die Wirksamkeit der Früherkennungsprogramme ist wissenschaftlich bewiesen. Früherkennungsmaßnahmen für Darmkrebs sind im Vergleich zu anderen bereits etablierten Screening-Methoden preisgünstig (kosteneffizient). Im Gegensatz zu anderen Krebserkrankungen, für die es noch keine effektiven Früherkennungsmethoden gibt, sind wir bei Darmkrebs heute in der Lage, unseren Mitbürgern wissenschaftlich begründete und volkswirtschaftlich tragbare Früherkennungsmethoden anzubieten, die die individuelle Gefährdung beseitigen. Nutzen wir sie! München im März 2001 Dr. Christa Maar Prof. Meinhard Classen Prof. Wolff Schmiegel Prof. Dagmar Schipanski Prof. Robert Fischer Prof. Jürgen Riemann Prof. Rolf Kreienberg Prof. Wolfram Domschke Prof. Klaus Dieter Kossow Dr. Berndt Birkner |
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